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"Ich fand es toll, dass wir in den ersten Wochen so oft zum Wilden Westen gehen konnten und da Tiere für das Naturtagebuch beobachtet haben." Celina (10 Jahre)

Campus ohne Mensa

Nach Protest im Bremer Westen soll die Oberschule Ohlenhof nun doch gebaut werden – für deutlich weniger Geld

VON SARA SUNDERMANN

Bremen.Seit Jahren war den Gröpelingern eine neue Oberschule zugesagt worden: der Campus Ohlenhof. Dann wurde die Schule im rot-grünen Koalitionsvertrag im Juli mit drei kurzen Sätzen gestrichen. Ein Schock für die Gröpelinger, es hagelte daraufhin Kritik aus dem Stadtteil: Beiratsabgeordnete, Eltern und Schüler protestierten. Nun soll die Oberschule doch gebaut werden. Die bildungspolitischen Sprecher von Rot-Grün und Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) sagen nach erneuter Prüfung, die Oberschule müsse kommen.

In der ganzen Stadt und besonders im Bremer Westen werde zusätzlicher Schulraum gebraucht, sagt Bogedan: „Wir gehen davon aus, dass gerade der Bremer Westen wachsen wird – es gibt in Bremen einen Zuwachs von Gruppen, deren Portemonnaie nicht so groß ist, dass sie alle in Schwachhauser Villen ziehen werden.“

Andere Schulstandorte im Westen seien geprüft worden. Aber: „Es bestehen keine Alternativen zum Standort Ohlenhof“, so die Senatorin. Auch durch den Zuzug von Flüchtlingen steige die Zahl schulpflichtiger Kinder. Bogedan geht davon aus, dass im Schuljahr 2016/17 rund 200 Kinder mehr an die Oberschulen im Bremer Westen strömen, als man in der Behörde noch Anfang des Jahres erwartet habe.

Bogedan stellt auch klar, dass gespart werden muss: Die Kosten für den Campus waren zuletzt mit 32,5 Millionen Euro beziffert worden, ehe die Koalition das Projekt aufgab. „Wir müssen abschmelzen“, so die Bildungssenatorin – die aufwendige Variante des Campus’ Ohlenhof sei nicht zu halten. Einsparpotenzial sieht sie an zwei Punkten: Zum einen könne darauf verzichtet werden, den Streichelzoo „Wilder Westen“ und den Kletterbunker zu verlegen. „Man kann den Umzug einsparen, wenn man die Schulgebäude räumlich etwas anders anordnet“, so Bogedan. Der Streichelzoo werde zudem vor allem von der Grundschule am Halmerweg intensiv für den Unterricht genutzt, dies könne so auch während der Bauphase weiterlaufen.

Zudem könne auf die Mensa verzichtet werden: Weder die Oberschule noch die Grundschule würden anstreben, zur Ganztagsschule zu werden. Die Oberschule Ohlenhof existiert bereits seit 2012 – in einem Provisorium ohne eigene Gebäude: Die Jugendlichen lernen in Containern und Pavillons der Grundschule am Halmerweg.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion, die dem Campus Ohlenhof schon zuvor skeptisch gegenüberstand, übt Kritik: „Die Oberschule ist dilettantisch geplant, sie hatte in jeder Hinsicht einen schlechten Start“, so der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas vom Bruch. „Das Ganze ist für die Betroffenen in Gröpelingen eine Zumutung.“ Es sei abzuwarten, ob die Oberschule nun noch den Namen „Campus Ohlenhof“ verdiene: „Man wird sehen, wie viel von den hehren Zielen übrig bleibt.“ Auch vom Bruch glaubt, dass neue Schulräume gebraucht werden. Es sei aber nicht ausreichend geprüft worden, ob diese an anderen Standorten schneller und günstiger entstehen könnten: „Rot-Grün hat dem politischen Druck nachgegeben.“

„Die Koalition hat gerade noch vermieden, ihr Versprechen zu brechen“, sagt Julie Kohlrausch, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. Das Abspecken täusche darüber hinweg, dass auch die Oberschule Ohlenhof auf Dauer eine Mensa und eine Turnhalle brauchen werde.

Kristina Vogt, Vorsitzende der Linksfraktion, erinnert an den langen Vorlauf der Debatte: „Es ist seit Jahren klar, dass wir die Schule brauchen, doch von der ersten Zusage 2011 bis dann vielleicht 2018 die Bagger anrücken, sind sieben Jahre vergangen – das hätte man sich in einem anderen Stadtteil nicht geleistet“, so Vogt. Immer wieder hätten Schüler aus Walle und Gröpelingen in andere Viertel ausweichen müssen, weil es im Westen nicht genug Schulplätze gab. Sie dringt darauf, dass die Oberschule nun endlich gebaut wird.

„Wir wollen durch verstärkte Bildungsanstrengungen den Kindern im Bremer Westen einen Ausweg aus Armut ermöglichen“, sagt Matthias Güldner, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Dafür sei die Oberschule Ohlenhof unerlässlich.

„Dass dieses Vorhaben nun doch möglich wird, ist ein Erfolg aller Beteiligten und insbesondere auch der Akteure vor Ort“, urteilt Mustafa Güngör, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Wenn man Armutsbekämpfung ernst nehme, sei die Oberschule wichtig. „Gerade in Gröpelingen ist es wichtig, die Abiturquote zu erhöhen, die dort erschreckend niedrig ist.“

Und die Proteste in Walle und Gröpelingen haben offenbar auch Bogedan nachdenklich gestimmt: „Die Verärgerung, die sich im Juli Bahn gebrochen hat, war nicht unberechtigt“, sagt sie nach vielen Gesprächen im Stadtteil. Es gelte nun, im Bremer Westen Vertrauen zurückzugewinnen.

Oberschule Ohlenhof
Halmerweg 71, 28237 Bremen
Tel: 0421 361 94246
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