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"Ich fand es toll, dass wir in den ersten Wochen so oft zum Wilden Westen gehen konnten und da Tiere für das Naturtagebuch beobachtet haben." Celina (10 Jahre)

Mehr als zwei Stunden nahm sich Bremens Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt am Sonnabend Zeit für die Schulen im Bremer Westen. Die anwesenden Eltern, Lehrer und Stadtteilpolitiker hätten die Liste dessen, was ihnen am Herzen lag, vermutlich mühelos verlängern können. Vor allem in Gröpelingen erwartet man dringend stärkere Anstrengungen, die die Zukunftsperspektiven der heranwachsenden Generation verbessern. Doch einig war man sich auch: Diese dürfen nicht auf Kosten der übrigen Schulen gehen.
VON ANKE VELTEN

Walle. Seit Dezember des vergangenen Jahres ist Eva Quante-Brandt Bildungssenatorin in Bremen. Auf Einladung der „Elterninitiative Bremen-West" stattete sie nun dem Schulbezirk einen persönlichen Besuch ab. Begleitet wurde die Bildungssenatorin von ihrem Stellvertreter, Staatsrat Gerd-Rüdiger Kück, dessen Ortskenntnis aus jahrzehntelanger Beiratserfahrung im Bremer Westen außer Z! weifel steht. Das Positive vorweg: Punkten konnten Bremens Bildungspolitiker vor allem durch die Tatsache, dass sie sich einen Sonnabendnachmittag viel Zeit nahmen, sich die Situation vor Ort schildern zu lassen. Von der Senatorin gab es eindeutige Bekenntnisse zur Oberschule Ohlenhof und zu den Oberstufenzentren Rübekamp und Lange Reihe. Außerdem solle „ein Gutteil" der Schulsozialarbeiter-Stellen, deren Bundmittel-Finanzierung ausläuft, bis Ende des Schuljahres 2013/14 weiterfinanziert werden. Quante-Brandt versprach, die bislang als unbefriedigend betrachtete Kommunikation mit der Behörde zu verbessern. Doch der Tenor der gut besuchten Podiumsrunde in der Mensa der Oberschule Helgolander Straße blieb dennoch: Ohne deutlich mehr Geld für den Bildungsbereich sind die Probleme vor Ort nicht in den Griff zu bekommen.
Ambitioniertes Programm
Eva Quante-Brandt übernahm von ihrer Vorgängerin Renate Jürg! ens-Pieper ein ambitioniertes Programm: Viele Bremer Schulen b! efinden sich mitten im Umbruch. Sie mussten sich in den vergangenen Jahren mit dem neuen Oberschul-System vertraut machen, sind auf dem Weg zur Inklusion und haben sich auf den Ganztag umgestellt – manche davon alles simultan. Für die Bildungspolitik handelt es sich dabei um Schritte auf den Weg zu mehr Chancengleichheit unabhängig vom Einkommen der Eltern. Die Realität stellt sich vor allem in Gröpelingen noch völlig anders da: Laut Zahlen der Studie „Bildung und Migration" steht der Stadtteil im Vergleich am unteren Ende der Skala. Nur 19 Prozent aller jungen Gröpelinger legen ihr Abitur ab – stadtweit sind es 35,4 Prozent. Von Arbeitslosigkeit betroffen sind fast 17 Prozent der Gröpelinger unter 20 Jahren – der städtische Schnitt beträgt rund zehn Prozent. „Was wollen Sie gegen die soziale Spaltung der Stadt tun?", fragte Ingo Lenz für die Elterninitiative, zu der sich Vertreter de! r meisten Schulen aus Findorff, Gröpelingen und Walle zusammengeschlossen haben.
Für das Bildungsressort ist der Bremer Westen ein Schulbezirk mit aktuell 16 800 Schülerinnen und Schülern und 27 Schulstandorten. Während in Walle und Gröpelingen die Zahlen der Kinder relativ stabil bleiben, die in den kommenden Jahren in die Schule hineinwachsen, werden es in Gröpelingen bis zum Jahr 2017 etwa 300 Kinder mehr sein. Doch die Eltern, Lehrer, Schulleitungen und Beiratsmitglieder berichteten der Senatorin von Problemen, die die nüchternen Zahlen der Behörde nicht abbilden. Viele Schulen seien schon jetzt „bis zum Anschlag ausgelastet", wie Ingo Lenz formulierte. „Der demografische Wandel findet im Bremer Westen nicht statt", schilderte Stephan Michael, Leiter der Oberschule Findorff und appellierte: „Wir brauchen mehr Klassenverbände."
Mehr Schüler wünscht sich aktuell n! ur die neue Oberschule Ohlenhof. Dass der neue Jahrgang nur mi! t einer einzigen Klasse starten soll und die angemeldeten Inklusionskinder auf andere Schulen verteilt wurden, sei ein „ganz falsches Signal", kritisierte die Gröpelinger Bildungsausschusssprecherin Petra Wontorra. Eine vorübergehende Entscheidung, die den geringen Anwahlzahlen geschuldet sei, so die Senatorin. Sie wünschte sich eine sachliche Auseinandersetzung auch mit den Bedenken an der Grundschule Halmerweg, wo die geplante Campuslösung skeptisch betrachtet wird. Von Seiten der Behörde sei der Bau der Schule nicht infrage gestellt, betonte die Senatorin. Wann die Gröpelinger allerdings damit rechnen können, ist nicht abzusehen, kritisierte Elternvertreter Markus Schröder: „Die Eltern sollen sich für eine Schule entscheiden, von der niemand weiß, wann sie kommt? Da braucht sich niemand über schwache Anwahlzahlen zu wundern!"
Die geplante Vierzügigkeit produziere allerdings ein „&U! uml;berangebot, das nicht zu finanzieren wäre", so Eva Quante-Brandt – und das sich zum Beispiel auf die Oberschule Findorff auswirken könne, die sich seit Jahren einen Ausbau wünscht. Eine Rechnung, die für den Findorffer Elternvertreter Christoph Suppes nicht aufgeht: Die Anwahlschule für drei Grundschulen könne nur durch eine Sechszügigkeit den Bedarf im Stadtteil decken, betonte Suppes.
Nicht an den vermeintlich unproblematischen Schulen sparen: Das wünschte sich eine Mutter aus dem Publikum. „Wir möchten, dass alle Schulen besser ausgestattet werden, damit alle gerne angewählt werden." Rolf Wroblewski, Mitglied des Gröpelinger Beirats, wurde deutlicher: Die Verantwortlichen sollten die begründeten Forderungen „nicht immer mit dem Hinweis auf die Haushaltslage abwürgen". Sein Fazit: „Bremen muss für die Bildung deutlich mehr Geld in die Hand nehmen.! Und Gröpelingen muss endlich weg vom Ende der Skala.! 01c;
Die Elterninitiative Bremen-West ist im Internet unter der folgenden Adresse zu finden: www.eltern-bremen-west.de.

Oberschule Ohlenhof
Halmerweg 71, 28237 Bremen
Tel: 0421 361 94246
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