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"Ich fand es toll, dass wir in den ersten Wochen so oft zum Wilden Westen gehen konnten und da Tiere für das Naturtagebuch beobachtet haben." Celina (10 Jahre)

Elternvertreter fordern Transparenz

Das Ringen um die Oberschule Ohlenhof geht weiter / Bildungsbehörde hat Prüfauftrag noch nicht erteilt

VON ANNE GERLING

Gröpelingen.Entschieden ist zwar noch nichts. Aber: Eine Mehrheit der Grünen und wohl auch innerhalb der SPD will allem Anschein nach die Oberschule Ohlenhof bauen – und so sucht man jetzt offenbar nach Möglichkeiten, Kosten einzusparen: Diese Grundtendenz war vorige Woche bei der vom Elternverbund Eltern-Bremen-West organisierten Diskussionsveranstaltung „Campus Ohlenhof als zentraler Bestandteil der Bildungslandschaft im Bremer Westen“ herauszuhören.

Einen Tag vor der konstituierenden Sitzung der Deputation für Bildung und Kinder hatten die Organisatoren bewusst die bildungspolitischen Sprecher der in der Bürgerschaft vertretenen Parteien ins Quartiersbildungszentrum Morgenland eingeladen, um ihnen nochmals deutlich zu machen, wie wichtig der Bau der Schule für Gröpelingen und den Westen ist.

Und dabei war natürlich auch wieder viel von Zahlen die Rede – von der außerordentlich niedrigen Abiturquote in Gröpelingen etwa oder von der vergleichsweise hohen Zahl von Kindern, die jährlich ohne Schulabschlüsse die Schulen im Stadtteil verlassen. Insbesondere aber ging es um jene 32,5 Millionen Euro, die zuletzt für den Bau der Oberschule Ohlenhof veranschlagt worden waren und schlussendlich zur Streichung des Vorhabens im Koalitionsvertrag geführt hatten.

Diese Summe gelte es in der Deputation nun dringend aufzuschlüsseln, betonte der stellvertretende Deputationsvorsitzende Mustafa Güngör (SPD). Denn nach wie vor sei nicht klar, weshalb zunächst 28 und nur wenige Monate später 32,5 Millionen Euro angesetzt wurden. Eine neue Sporthalle brauche der Stadtteil ohnehin, und die Verlegung des Streichelzoos könne unmöglich mit 2,3 Millionen Euro zu Buche schlagen. Würde nicht im Passivhausstandard gebaut, ließen sich außerdem etwa 20 Prozent an Kosten einsparen.

Wird die Schule nun gebaut oder nicht? Bis zur zweiten Sitzung der Deputation für Kinder und Jugendliche im November müsse die Tendenz klar sein, sagt der Deputationsvorsitzende Matthias Güldner (Grüne). Er unterstrich: 6,5 Millionen Euro Drittmittel flössen nur dann nach Gröpelingen, wenn der Campus Ohlenhof gebaut werde – nicht aber für eine Alternativlösung.

„Der Campus Ohlenhof ist eine soziale Investition, die sich irgendwann auch auszahlt“, bekannte sich auch Klaus-Rainer Rupp, haushalts- und finanzpolitischer Sprecher der Linksfraktion, zu dem Projekt. Er vertrat an diesem Abend Parteikollegin Kristina Vogt, die sich seit Langem für den Bau einer weiteren Oberschule in Gröpelingen einsetzt. Die CDU steht dem Vorhaben Campus Ohlenhof von jeher skeptisch gegenüber und auch jetzt hielt sich Claas Rohmeyer (CDU) eher bedeckt: „Wir brauchen Schulraum – ob wir diese Schule brauchen, vermag ich nicht zu beurteilen. Da möchte ich erst konkrete Zahlen sehen.“ Schließlich habe seine Partei schon vor Monaten ein hohes Sparpotenzial bei dem Projekt ausgemacht.

Für große Verunsicherung sorgt indes unter Elternvertretern und Ortspolitikern, dass die Bildungsdeputation den im Stadtteil dringend erwarteten Prüfauftrag bislang noch gar nicht erteilt hat. Dennoch werden aber offenbar bereits unterschiedliche Möglichkeiten untersucht, und Senatorin Claudia Bogedan hat gemeinsam mit Staatsrat Frank Pietrzok Schulen im Stadtteil besucht, um sich ein persönliches Bild von der Situation zu machen.

Im Zuge dessen wurde der Gesamtschule West (GSW) von der Behörde signalisiert, dass an ihrem pädagogischen Konzept im Falle des als Alternative zum Bau der Oberschule Ohlenhof angepeilten Ausbaus nicht gerüttelt werde. Was es konkret bedeuten würde, wenn die vierzügige Schule um zwei Klassenverbände pro Jahrgang erweitert würde, legte Schulleiterin Maria Schümann nun dar: „Wir brauchen drei Anbauten für die Jahrgangshäuser 5/6, 7/8 und 9/10 plus Fachräume. Unsere Turnhalle reicht nicht aus. Nur die Mensa wäre groß genug – zum Essen, aber nicht als Versammlungsraum. Und der Preis für den Anbau wäre unser schönes Außengelände.“ Ähnlich sähe es wohl an der 2010 gestarteten Neuen Oberschule Gröpelingen (NOG) aus, deren Jahrgangsflure sich noch im Aufbau befinden und die mittlerweile bis Klasse zehn hochgewachsen ist.

Da die Entscheidung pro oder kontra Oberschule Ohlenhof nicht nur Gröpelingen, sondern insbesondere auch den Nachbarstadtteil Walle betrifft, waren auch viele Waller Ortspolitiker und Schulvertreter an diesem Abend nach Gröpelingen gekommen. Darunter Rahel Faust, Elternsprecherin der Oberschule am Waller Ring. Seit Jahren nehme die Schule mehr Klassen auf als vorgesehen – und platze dementsprechend jetzt aus allen Nähten, kritisierte sie.

GSW-Elternsprecherin Bärbel Schaudin-Fischer erwartet nun eine nachvollziehbare Prüfung: „Uns fehlt bisher die Transparenz“, mahnte sie angesichts der nicht erklärbaren Baukosten und Schülerzahlen an, mit denen im Bildungsressort bislang operiert wurde. „Aber wir haben die Hoffnung, dass in der Behörde jetzt ein neuer Wind weht.“

Oberschule Ohlenhof
Halmerweg 71, 28237 Bremen
Tel: 0421 361 94246
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